Kombucha gehört zu den am intensivsten untersuchten fermentierten Getränken der letzten Jahre. Moderne mikrobiologische, ernährungswissenschaftliche und klinische Studien zeigen, dass das Getränk eine außergewöhnlich komplexe biochemische Zusammensetzung besitzt. Während der Fermentation entstehen zahlreiche bioaktive Verbindungen, darunter organische Säuren, Polyphenole, Enzyme, Vitamine und verschiedene Mikroorganismen.
Die aktuelle wissenschaftliche Literatur zeigt mehrere zentrale Effekte und Eigenschaften von Kombucha:
- eine hohe Vielfalt an Mikroorganismen aus Bakterien und Hefen
- die Bildung zahlreicher bioaktiver Stoffwechselprodukte während der Fermentation
- einen hohen Gehalt an antioxidativen Polyphenolen
- eine potenzielle Modulation des Darmmikrobioms
- metabolische Effekte im Zusammenhang mit Lipidstoffwechsel und Stoffwechselparametern
- eine Rolle fermentierter Säuren für Verdauungsprozesse und mikrobielles Gleichgewicht
Diese Eigenschaften machen Kombucha aus wissenschaftlicher Sicht zu einem besonders komplexen funktionellen fermentierten Lebensmittel.
Die Fermentation: Der biochemische Ursprung der Wirkung
Kombucha entsteht durch die Fermentation von gesüßtem Tee mit einer sogenannten SCOBY-Kultur (Symbiotic Culture of Bacteria and Yeast). Diese symbiotische Gemeinschaft aus Bakterien und Hefen bildet während der Fermentation eine Vielzahl bioaktiver Metaboliten.
Eine umfassende Übersichtsarbeit beschreibt Kombucha als ein dynamisches mikrobielles Ökosystem, in dem Hefen Zucker in Ethanol und Kohlendioxid umwandeln, während Essigsäurebakterien diesen Alkohol weiter zu organischen Säuren metabolisiert (Jayabalan et al., 2014).
Zu den wichtigsten während der Fermentation entstehenden Stoffen gehören:
- Essigsäure
- Gluconsäure
- Glucuronsäure
- Milchsäure
- Polyphenol-Metabolite
- bakterielle Enzyme
Diese biochemische Transformation führt dazu, dass Kombucha eine deutlich andere Zusammensetzung besitzt als der ursprüngliche Tee.
Neuere mikrobiologische Analysen zeigen, dass in Kombucha mehr als 200 verschiedene mikrobielle Spezies aus über 30 Gattungen identifiziert werden können (Nutritional Metagenomics Analysis, 2021). Besonders dominant sind Essigsäurebakterien wie Acetobacter und Komagataeibacter, die für die Produktion organischer Säuren verantwortlich sind.
Polyphenole und antioxidative Wirkung
Ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Forschung zu Kombucha betrifft seine antioxidativen Eigenschaften.
Tee – die Grundlage von Kombucha – enthält bereits eine hohe Konzentration an Polyphenolen, insbesondere Catechinen, Flavonoiden und Phenolsäuren. Während der Fermentation werden diese Verbindungen teilweise enzymatisch umgewandelt und dadurch stärker bioverfügbar.
Eine umfassende Analyse der Inhaltsstoffe beschreibt, dass Kombucha reich an antioxidativen Verbindungen ist, die während der Fermentation entstehen oder verstärkt werden (Martínez Leal et al., 2018).
Polyphenole sind wissenschaftlich besonders interessant, weil sie:
- oxidativen Stress reduzieren können
- mit Stoffwechselprozessen interagieren
- mikrobielles Wachstum im Darm beeinflussen
In einer klinischen Studie mit regelmäßigem Kombucha-Konsum wurden 145 verschiedene phenolische Verbindungen im Getränk identifiziert, darunter Flavonoide und phenolische Säuren (Costa et al., 2025).
Diese Verbindungen spielen eine wichtige Rolle bei antioxidativen Schutzmechanismen im Körper.
Die mikrobiologische Vielfalt von Kombucha
Die mikrobiologische Zusammensetzung von Kombucha ist einer der wichtigsten Faktoren für seine Eigenschaften.
Eine genetische Analyse mehrerer Kombucha-Proben zeigte, dass das Getränk eine stabile Gemeinschaft aus Bakterien und Hefen enthält (Marsh et al., 2014). Zu den häufigsten Mikroorganismen gehören:
Bakterien
- Komagataeibacter
- Acetobacter
- Gluconobacter
- Lactobacillus
Hefen
- Saccharomyces
- Brettanomyces
- Zygosaccharomyces
- Pichia
Diese Mikroorganismen bilden während der Fermentation komplexe Stoffwechselnetzwerke und produzieren zahlreiche bioaktive Metaboliten.
Die mikrobiologische Vielfalt gilt als einer der Gründe, warum Kombucha in wissenschaftlichen Studien häufig im Zusammenhang mit dem Darmmikrobiom untersucht wird.
Einfluss auf das Darmmikrobiom
Das Darmmikrobiom gehört zu den zentralen Forschungsthemen der modernen Ernährungswissenschaft. Fermentierte Lebensmittel stehen dabei besonders im Fokus.
Eine kontrollierte klinische Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte die Auswirkungen von Kombucha-Konsum auf das Darmmikrobiom von Erwachsenen. Die Analyse basierte auf hochauflösender Shotgun-Sequenzierung von Stuhlproben (Ecklu-Mensah et al., 2024).
Die Ergebnisse zeigten:
- Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmmikrobiota
- eine erhöhte Präsenz bestimmter mikrobieller Arten aus fermentierten Lebensmitteln
- Anpassungen in mikrobiellen Stoffwechselwegen
Unter anderem wurde eine erhöhte relative Häufigkeit von Weizmannia coagulans sowie Veränderungen in Stoffwechselwegen für Vitamin- und Nukleotidbiosynthese beobachtet.
Weitere Studien bestätigen diese Effekte.
Eine Interventionsstudie mit regelmäßigem Kombucha-Konsum zeigte Veränderungen in der Darmflora, darunter:
- eine Zunahme von Bacteroidota
- eine erhöhte Präsenz von Akkermansiaceae
- eine Zunahme von Subdoligranulum, einem bekannten Butyrat-produzierenden Darmbakterium (Costa et al., 2025).
Butyrat gehört zu den wichtigsten kurzkettigen Fettsäuren im Darm und spielt eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit.
Eine weitere klinische Studie zeigte außerdem, dass Kombucha den Anteil von Bifidobacterium erhöhen kann, einer bakteriellen Gattung, die eng mit Darmgesundheit und immunologischen Prozessen verbunden ist.

Forschung zu Verdauung und Darmfunktion
Mehrere klinische Untersuchungen haben mögliche Zusammenhänge zwischen Kombucha-Konsum und Parametern der Verdauungsfunktion untersucht.
Eine systematische Analyse klinischer Studien stellte fest, dass der Konsum von Kombucha mit Verbesserungen bestimmter gastrointestinaler Symptome verbunden war, darunter:
- verbesserte Stuhlkonsistenz
- reduzierte Beschwerden bei unvollständiger Darmentleerung
- verbesserte Darmmotilität
Die Forschenden führen diese Effekte auf die im Getränk enthaltenen organischen Säuren zurück.
Organische Säuren wie Essigsäure, Zitronensäure oder Apfelsäure gehören zu den Stoffen, die im Zusammenhang mit physiologischen Prozessen im Darm untersucht werden. Welche Bedeutung einzelne Säuren dabei haben und ob sich daraus Effekte durch den Konsum eines konkreten Kombucha ableiten lassen, hängt von Zusammensetzung, Menge und jeweiliger Studienlage ab.
Forschung zu Stoffwechsel und metabolischen Parametern
Ein weiterer Forschungsbereich betrifft mögliche metabolische Effekte von Kombucha.
Eine randomisierte Interventionsstudie mit 60 Teilnehmern untersuchte die Auswirkungen von täglichem Kombucha-Konsum über sechs Wochen. Dabei wurden sowohl metabolische Parameter als auch Veränderungen im Darmmikrobiom analysiert.
Die Ergebnisse zeigten:
- Veränderungen im Lipidstoffwechsel
- eine Reduktion von Triglyceridwerten
- Veränderungen der Darmmikrobiota zugunsten bestimmter Bakteriengruppen
Eine systematische Review fasste Studien zusammen, in denen Kombucha im Zusammenhang mit verschiedenen metabolischen Parametern, Markern des oxidativen Stresses und Veränderungen der Darmmikrobiota untersucht wurde. Die Ergebnisse hängen von Studiendesign, untersuchtem Kombucha und weiteren Faktoren ab und erlauben keine pauschale gesundheitsbezogene Aussage über Kombucha als Lebensmittel.
Antimikrobielle Eigenschaften
Neben den mikrobiellen Effekten auf das Darmmikrobiom wird bei bestimmten Kombucha-Proben auch antimikrobielle Aktivität unter Laborbedingungen untersucht.
Diese werden vor allem durch mehrere Faktoren verursacht:
- Essigsäure
- Gluconsäure
- niedriger pH-Wert
- phenolische Verbindungen
Laborstudien zeigen, dass Kombucha hemmende Effekte gegenüber verschiedenen pathogenen Mikroorganismen besitzen kann. Diese Eigenschaften werden häufig auf die Kombination aus organischen Säuren und phenolischen Pflanzenstoffen zurückgeführt.
Vitamine und Mineralstoffe
Neben den fermentationsbedingten Metaboliten enthält Kombucha auch verschiedene Mikronährstoffe.
Eine Analyse des Nährstoffgehalts zeigte das Vorkommen mehrerer wasserlöslicher Vitamine und Mineralstoffe im Getränk (Bauer & Petrusevska-Tozi, 2001).
Dazu gehören unter anderem:
- B-Vitamine
- Vitamin C
- Kalium
- Magnesium
- Eisen
Diese Mikronährstoffe stammen teilweise aus dem Tee und werden teilweise während der Fermentation gebildet.
Kombucha als komplexes funktionelles Lebensmittel
Moderne wissenschaftliche Reviews beschreiben Kombucha zunehmend als funktionelles fermentiertes Getränk, dessen Eigenschaften aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren entstehen:
- Fermentation von Tee
- mikrobielles Ökosystem aus Bakterien und Hefen
- Bildung organischer Säuren
- hohe Konzentration pflanzlicher Polyphenole
- Produktion mikrobieller Metaboliten
Diese Kombination führt zu einer außergewöhnlich komplexen biochemischen Struktur, die in der Ernährungswissenschaft zunehmend untersucht wird.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt Kombucha daher als ein Getränk mit „therapeutischem Potenzial aufgrund seiner mikrobiellen Vielfalt, bioaktiven Metaboliten und antioxidativen Eigenschaften“ (Prajapati et al., 2024).
Kombucha im Kontext aktueller Forschung
Neben den biochemischen Eigenschaften untersuchen Forschende auch die Rolle von Kombucha im Kontext einer ganzheitlichen Ernährung.
Eine aktuelle wissenschaftliche Analyse beschreibt Kombucha als ein funktionelles fermentiertes Getränk, das aufgrund seiner mikrobiellen Vielfalt, antioxidativen Verbindungen und Fermentationsprodukte mit verschiedenen Aspekten der körperlichen und mentalen Gesundheit in Verbindung gebracht wird (Batista et al., 2023).
Dabei werden unter anderem folgende Bereiche diskutiert:
- Stoffwechselprozesse
- oxidativer Stress
- Darmmikrobiom
- allgemeines Wohlbefinden
Auch populärwissenschaftliche Zusammenfassungen der Studienlage heben hervor, dass Kombucha eine Vielzahl bioaktiver Inhaltsstoffe enthält, die durch die Fermentation entstehen (Leech, 2023; Herzig, 2025).
Fazit: Kombucha – ein vielseitiges fermentiertes Getränk im Fokus der Forschung
Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass Kombucha eine komplexe Zusammensetzung besitzen kann. Während der Fermentation von Tee können unter anderem unterschiedliche Mikroorganismen, organische Säuren, Polyphenole und weitere Fermentationsprodukte vorkommen. Welche Stoffe tatsächlich enthalten sind und in welchen Mengen, hängt dabei von Rezeptur, Kultur und Herstellungsverfahren ab.
Besonders die mikrobiologische Zusammensetzung und die während der Fermentation entstehenden Stoffwechselprodukte sind Gegenstand aktueller Forschung. Untersucht werden unter anderem mögliche Zusammenhänge mit dem Darmmikrobiom, verschiedenen Stoffwechselparametern und Verdauungsprozessen.
Die bisherigen Ergebnisse stammen aus unterschiedlichen Studienmodellen, Rezepturen, Herstellungsverfahren und Personengruppen. Sie erlauben deshalb keine pauschale Aussage über einen gesundheitlichen Nutzen von Kombucha oder die Wirkung eines konkreten Kombucha-Produkts.
Kombucha ist damit vor allem ein wissenschaftlich interessantes fermentiertes Teegetränk, dessen komplexe Zusammensetzung und Fermentationsprozesse weiterhin Gegenstand der Forschung sind.
Studienübersicht
Kombucha: Erfrischend und heilsam durch Fermentation
Herzig, K. (2025). Kombucha: Erfrischend und heilsam durch Fermentation. G. Dorschner (Prüf.). Den kompletten Beitrag findest du hier.
7 wissenschaftlich belegte Gesundheitsvorteile von Kombucha
Leech, J. (2023). 7 Evidence-Based Health Benefits of Kombucha. Healthline. Den kompletten Beitrag findest du hier.
Die gesundheitlichen Vorteile der Inhaltsstoffe und Stoffwechselprodukte von Kombucha
Martinez Leala, J., Valenzuela Suárez, L., Jayabalan, R., Huerta Oros, J., & Escalante-Aburto, A. (2018). A review on health benefits of kombucha nutritional compounds and metabolites. CyTA - Journal of Food, 16(1), 390-399. Den kompletten Beitrag findest du hier.
Mineralstoffe und Vitamine im Kombucha
Bauer, B., & Petrusevska Tozi, L. (2001). Mineral and water soluble vitamin content in the Kombucha drink. International Journal of Food Science & Technology, 35(2), 201-205. Den kompletten Beitrag findest du hier.
Eine Übersicht über Kombucha – Mikrobiologie, Zusammensetzung, Fermentation & gesundheitliche Vorteile
Jayabalan, R., Malba, R. V., Lonar, E. S., Vitas, J. S., & Sathishkumar, M. (2014). A review on Kombucha tea—Microbiology, composition, fermentation, beneficial effects, toxicity, and tea fungus. Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety, 13(4), 538-550. Den kompletten Beitrag findest du hier.
Einfluss von Kombucha auf das menschliche Darmmikrobiom und wichtige Gesundheitswerte
Ecklu-Mensah, G., Miller, R., Maseng, M. G., Hawes, V., Hinz, D., Kim, C., & Gilbert, J. A. (2024). Modulating the human gut microbiome and health markers through kombucha consumption: A controlled clinical study. Scientific Reports, 14(1), 31647. Den kompletten Beitrag findest du hier.
Mikrobiologische Studie zur Kombucha-Alchemie: Analyse der bakteriellen Zusammensetzungen
Marsh, A. J., O'Sullivan, O., Hill, C., Ross, R. P., & Cotter, P. D. (2014). Sequence-based analysis of the bacterial and fungal compositions of multiple kombucha (tea fungus) samples. Food Microbiology, 38, 171-178. Den kompletten Beitrag findest du hier.
Die Wirkung von Kombucha auf körperliche und geistige Gesundheit
Batista, P., Rodrigues Penas, M., Vila-Real, C., Pintado, M., & Oliveira-Silva, P. (2023). Kombucha: Challenges for health and mental health. Foods (Basel, Switzerland), 12(18), 3378. Den kompletten Beitrag findest du hier.









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